"Die Strafjustiz in Niedersachsen"
- Holthausen

- 1. Feb.
- 2 Min. Lesezeit
15. Kongreß Amtsgericht Hannover
Auch der 15. Kongreß war wieder eine interessante und gelungene Veranstaltung. Diesmal freundlich eingeladen in die imperialen Hallen des alten Amtsgerichts Hannover, das - wie man nachlesen kann - 1907 bis 1911 als "Neues Justizgebäude" gebaut heute nur noch "Altbau" genannt wird.
Wir erinnern uns: 1907 war Hannover aufstrebende Provinzhauptstadt im Kaiserreich (302.375 Einwohner), im Rennen seit 1902/1903 mit "Provinzialmuseum" (Nds. Landesmuseum) und "Vaterländischem Museum" (Historisches Museum), seit 1905 mit dem Linienschiff "SMS Hannover" in der kaiserlichen Marine und seit 1901 (bis 1913) mit einem Prachtbauvorhaben "Neues Rathaus". Man wählte zum Reichstag SPD, Nationalliberale oder DHP (Welfenpartei), politische Spannungen, Militarismus und Krieg warfen ihre Schatten voraus.
Für den damaligen Behördenleiter des Amtsgerichts (Geheimer Justizrat Siegel) wäre es wohl unvorstellbare Science-Fiction gewesen: In "seinem" Amtsgericht würden sich in rund 120 Jahren Männer wie Frauen aus Richterschaft, Staatsanwaltschaft, Anwaltschaft, Ministerium und Wissenschaft zu einem Programm aus Plenumsveranstaltung und Arbeitsgruppen treffen, um offen und weisungsfrei unerhörte praktische Fragen einer rechtsstaatlichen Strafjustiz zu diskutieren!
So aber ist es am 14. November 2025 gekommen:
Im Plenum der "Strafjustiz in Niedersachsen" stand die "Bedeutung der Urteilsgründe für den Strafvollzug" im Zentrum, wie sehr also richterliche Arbeit praktisch über den Gerichtssaal hinaus wirkt.
Anschließende Arbeitsgruppen griffen wichtige Herausforderungen der Praxis auf:
Das "Zwischenverfahren",
Wirkungen von "Strafrecht für Arme",
Folgen von "Verlesung und Selbstleseverfahren" und
"Querdenker, Verschwörungstheoretiker und Wissenschaftsfeinde in Justiz und bei den Schöffen"
Abschließend beschäftigte sich das Plenum mit dem hochaktuellen justizpolitischen Thema der "Konzentration der Gerichtsstandorte", diskutiert unter Beteiligung der niedersächsischen Justizministerin Frau Dr. Wahlmann. Die Debatte machte deutlich, wie eng Fragen von Effizienz, Rechtsstaatlichkeit und regionaler Präsenz verknüpft sind.
Der vertrauens- und respektvolle 360°- Blick verschiedener Professionen nach vorn und zurück zeigte wieder den besonderen Wert dieser bundesweit einmaligen Veranstaltung: Justiz betrifft und wird gemacht von Menschen, die voneinander nur lernen können.
Geheimtipp für junge Juristen, Referendare oder Studierende: Der jährliche Kongreß bietet seltene Gelegenheit, die prägenden Akteure der Strafjustiz in Niedersachsen aus nächster Nähe zu erleben, ihre Argumentationslinien und Interessen nachzuvollziehen und den professionellen Austausch auch jenseits des Podiums zu suchen. Bei Wein und Canapés in entspannter Atmosphäre ein blendendes Forum für Fragen und Kontakte.
Für alle anderen: Der Rahmen für praktische Themen, Fachlichkeit, Offenheit und rechtspolitische Relevanz ist und bleibt wirklich exzellent. Danke für alle Mitwirkenden für ihr Engagement.





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